Adolf Kittel Bremerhaven Geestmünde Chronometer Altersbestimmung - Sammler-Uhren

Adolf Kittel Bremerhaven Geestmünde Chronometer Altersbestimmung

Adolf Kittel

Standort: wahrscheinlich Bremerhaven / Geestemünde; er wird in Regionalverzeichnissen des frühen 20. Jahrhunderts als Uhrmachermeister geführt.

Tätig: etwa 1895 – 1935.

Beruflich einzuordnen wie andere norddeutsche Uhrmacher jener Zeit (z. B. Lidecke, Koopmann, Ehrlich, Thie):

Kittel baute keine eigenen Uhrwerke, sondern handelte mit Schweizer Werken (A. Schild, FHF, Rebberg/Aegler), montierte und regulierte sie in Norddeutschland und signierte Zifferblatt oder Werk mit „Adolf Kittel – Bremerhaven“ oder „A. Kittel“

Typische Uhren

Zeitraum Merkmale
1895 – 1910 Große Taschenuhren, Silbergehäuse (800 / 900‑Punze), Emailzifferblatt, Schweizer Ankerwerke (15 Rubine).
1910 – 1925 Präzisionstaschenuhren, häufig Werktypen Rebberg (Aegler) oder A. Schild AS 340, 970 etc., arabische Ziffern.
1925 – 1935 Früharmbanduhren, Nickelgehäuse, bedruckte Metall‑Zifferblätter, Kaliber FHF 29 / AS 970 usw.
ab 1935 Selten, evtl. kleinere Nachkriegs‑ oder Restbestände.

Im Stil ähneln sie stark den Uhren anderer deutscher Groß- und Hafenstädte (Hamburg, Bremen, Kiel).

Werknummer und Datierung

Die Werknummer stammt vom Schweizer Hersteller des Rohwerks, nicht von Kittel selbst.
Anhand der bekannten A. Schild / FHF‑Serien lässt sich der Zeitraum ziemlich genau einordnen:

Werknummer (ungefähr) Kaliber / Hersteller Baujahr (ca.)
150 000 – 300 000 Aegler (Rebberg) 1900 – 1910
300 000 – 500 000 A. Schild / FHF 1910 – 1920
500 000 – 800 000 A. Schild (AS 340 – AS 970) 1920 – 1930
800 000 – 1 000 000 FHF 29 / AS 1130 1930 – 1940

 

Weitere Datierungshilfe anhand äußerer Merkmale

Merkmal Zeitliche Einordnung
Emailzifferblatt, römische Ziffern vor 1915
Arabische Ziffern, feine Schrift, Stahlzeiger 1910 – 1925
Leuchtzifferblatt (Radium) ab 1915
Metallzifferblatt mit Druck 1925 – 1935
Silbergehäuse (Punze 0.800 / 0.900 + Halbmond + Krone) typisch vor 1930
Stahl- oder Nickelgehäuse nach 1920
Gravur „15 Rubis“ / „17 Jewels“ / „Swiss Made“ 1910–1935

 

Deutscher Chronometermacher

Adolph Kittel wurde am 6. April 1846 in Aurich geboren und war später in Altona/Hamburg ansässig. Er war 1878 Mitbegründer der Altonaer Uhrmacherschule und unterrichtete von da an bis 1888 an dieser Fachschule. Kittel veröffentlichte mehrere Fachbücher und Fachartikel. Für die Hamburger Sternwarte war Kittel als Mechaniker tätig. Seine Chronometerkonstruktionen führte er ohne Schnecke aus. Er entwickelte ein neues Chronometer-Echappement, eine Hilfskonstruktion für Temperaturschwankungen unter andere bei den Pendeluhren eine eigene freie Hemmung, eine am Pendel angebrachte Barometerkompensation für Luftdruckschwankungen.
Auch verschiedene astronomische Pendeluhren lieferte er an deutsche und ausländische Sternwarten. Auf der Gewerbe-Ausstellung in Hamburg im Jahr 1889 hatte er eine astronomische Pendeluhr ausgestellt, die dann in den Besitz der Hamburger Sternwarte überging (Kittel Nr. 25). Kittel wurde im Humboldstraße 20 heute Willebrandstraße aufgelistet obwohl er vorher auf verschiedene Adresse tätig war.

1911 gab Kittel seine Altonaer Werkstatt auf und verkaufte mit Unterstützung von Schorr seine restlichen Chronometer. Der Erste Weltkrieg und die darauf folgende Rezession schmälerten die als Altersvorsorge zurückgelegten Mittel derart, dass Kittel sich îm Oktober 1919 nochmals um eine Anstellung für kleinere Aufgaben bei der Hamburger Sternwarte bemühte. Die jahrelangen Kontakte zu Schorr nutzten ihm dabei nicht, auch in der Sternwarte mußten Entlassungen vorgenommen werden. Sein Antrag wurde abgelehnt. Im November 1919 zog Kittel aus Altona nach Aurich zu seiner Familie. Dort verschlechterte sich seine wirtschaftliche und gesundheitliche Lage, schließlich starb Kittel am 4. Oktober 1921 in Aurich.

Adolf Kittel Bremerhaven

  • Die astronomische Sekunden-Pendeluhr von A. Kittel Nr. 25 mit Quecksilber-Pendel, Barometerkompensation und Minutenkontakt in einem Mahagoni-Gehäuse wurde 1889 von der Hamburger Sternwarte erworben und später der Staatlichen Uhrenmacherschule Hamburg übereignet.
  • Die astronomische Sekunden-Pendeluhr von A. Kittel Nr. 60 mit Nickelstahlpendel Riefler Type 3 Nr. 1443 sowie Minutenkontakt und Graham-Hemmung wurde 1918 von der Hamburger Sternwarte erworben und später dem Landesmuseum Kassel übereignet.
  • Die astronomische Sekunden-Pendeluhr von A. Kittel Nr. 65 mit Quecksilber-Pendel und Minutenkontakt, mit Thermometer U22 und Funkenlöscher in einem Mahagoni-Gehäuse wurde 1912 von der Hamburger Sternwarte erworben und am 3. Mai 1972 an das Planetarium abgegeben.
  • Das Marine-Chronometer von A. Kittel Nr. 271 mit elektrischem Sekundenkontakt wurde 1913 von der Hamburger Sternwarte erworben und am 3. Mai 1972 an das Planetarium abgegeben.
  • Das Marine-Chronometer von A. Kittel Nr. 288 mit elektrischem Sekundenkontakt wurde 1914 von der Hamburger Sternwarte erworben und befindet sich heute als Schauobjekt in der Vitrine des Hauptdienstgebäudes der Sternwarte

Quelle: Watchwiki, KI, Konrad Knirim

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